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Warum es die Digitalisierung in Wirklichkeit gar nicht gibt

Ein Schreckgespenst geht um. Die Digitalisierung – oft auch digitale Transformation genannt – rast als gefühlt unaufhaltsame Wand auf die Unternehmen in Deutschland zu. Viele Verantwortliche fühlen sich von der komplexen Thematik überfordert und würden am liebsten den Kopf in den Sand stecken, bis der ganze Spuk vorüber ist. Das ist definitiv die falsche Entscheidung, auch wenn der Impuls sicherlich menschlich nachvollziehbar ist. Schauen wir uns das Thema lieber genauer an und nehmen ihm so den Schrecken.

Keine Panik

Vorab die gute Nachricht: Die Digitalisierung und die digitale Transformation gibt es nicht. Vielmehr handelt es sich bei beidem um Sammelbegriffe, die in Wirklichkeit eine Vielzahl von Technologien und Entwicklungen zu einer ungreifbaren Masse zusammenfassen. Hier ist also zunächst eine differenziertere Betrachtung im Einzelfall notwendig. Nur so lässt sich wirklich herausfinden, welche Möglichkeiten der Digitalisierung für das eigene Unternehmen sofort, mittelfristig oder auch erst auf längere Sicht relevant sind. Im nächsten Schritt klären wir dann, welcher Handlungsbedarf sich daraus konkret ableitet.

Klingt schon gar nicht mehr so schlimm? Gut. Nun zur schlechten Nachricht: Die Digitalisierung geht nicht einfach vorüber. Sie betrifft alle Branchen und jedes Unternehmen und sie wird auch niemals abgeschlossen sein. In den vergangenen 25 Jahren haben revolutionäre Technologien Einzug in unser privates und Arbeitsleben gehalten und die Geschwindigkeit, mit der neue Technik unseren Alltag erobert nimmt dabei ständig zu.

Was ist denn eigentlich die Digitalisierung?

Mit der Digitalisierung beschreibt man zunächst lediglich den Vorgang der digitalen Erfassung von Inhalten oder die Überführung von analogen Informationen in digitale Formate. Jeder von uns, der also einen Text in einem Computerprogramm wie Word verfasst, ist per se ein Digitalisierer. Auch ein digitales Foto ist ein solches digitales Medium für Information – in diesem Fall eben ein Bild.

Im Kontext der Veränderungsprozesse wird Digitalisierung oft auch als Synonym für die Automation verwendet. Man bildet bestehende Prozesse digital oder digital unterstützt ab und automatisiert wiederkehrende Prozessschritte, um so die Abläufe zu optimieren.

Das Digital Business

Vom Digital Business spricht man dann, wenn Geschäftsbereiche, Geschäftsmodelle oder ganze Unternehmen digital abgebildet werden. Vor dem Hintergrund neu entstehender digitaler Technologien werden diese dann kontinuierlich hinterfragt, bei Bedarf angepasst und somit fortlaufend optimiert.

Und was ist der Unterschied zur digitalen Transformation?

Bei der digitalen Transformation konzentriert man sich auch auf Geschäftsbereiche, Geschäftsmodelle und die jeweiligen Prozesse, jedoch geht der Ansatz hier deutlich weiter, als diese einfach nur an neue digitalen Möglichkeiten anzupassen. Im Rahmen der digitalen Transformation betrachtet man grundlegende Problemstellungen neu und löst diese dann mit Hilfe von Technologie auf einem neuen Weg. Hier prüft man zum Beispiel, ob bestehende Prozesse noch gebraucht werden oder ob sie durch den Einsatz neuer Technologien völlig anders modelliert oder gar ersetzt werden können.

Bei einer digitalen Transformation löst man also Probleme mit den jeweils dafür am besten geeigneten und zurzeit verfügbaren technischen Mitteln.

Wichtig ist hier zu verstehen, dass eine digitale Transformation selten von der Verfügbarkeit einer neuen Technologie ausgelöst wird. Es geht vielmehr immer darum, ein Problem zu lösen oder einen neuen Ansatz für die Kunden bereitzustellen. Die Verschiebung hin zu einer wirklich kundenzentrierten Sicht, wird so zum Treiber einer digitalen Transformation.

Die Chancen nicht verpassen

Zurück zu konkreten Beispielen: Jeder von uns nutzt heute E-Mail und digitale Fotografie. Und auf die Entwicklung der Mobiltelefone folgte dann nach relativ kurzer Zeit schon der Quantensprung zum Smartphone.

Hier finden wir auch gleich zwei gute Beispiele für die Gefahren der digitalen Transformation: NOKIA – einst weltweiter Platzhirsch im Sektor der Mobiltelefone – verpasste den Wandel zum Smartphonehersteller, verlor die Marktführerschaft, stürzte ab in die Irrelevanz und wurde erst vor kurzem als Vertriebsmarke des Herstellers HMD Global wiederbelebt. KODAK erfand seinerzeit die digitale Fotografie, schätzte aber deren Potential völlig falsch ein und schaffte es nicht, diese Erfindung entsprechend zu kapitalisieren. Nach dem Zusammenbruch des klassischen Fotofilmmarktes stürzte der einstige Branchenriese in die Bedeutungslosigkeit.

Verpasste Chancen sind also eine reale Gefahr für Unternehmen jeder Größe und Branche und es gehört für jeden Führungsverantwortlichen heutzutage dazu, die eigene Unternehmung und die angebotenen Produkte und Dienstleistungen kontinuierlich mit einem gesunden kritischen Blick zu betrachten und gegen die Bedürfnisse des Marktes zu validieren.

Wo also sollte man anfangen?

Erst einmal mit Durchatmen. Die Digitalisierung und auch die digitale Transformation sind keine unlösbaren Aufgaben. Mit der richtigen strategischen Ausrichtung und der Bereitschaft zur Weiterentwicklung des eigenen Unternehmens, lassen sich bereits heute die Rahmenbedingungen für langfristige wirtschaftliche Erfolge schaffen. Dann gilt es, die Potentiale im eigenen Unternehmen zu identifizieren, realistisch einzuschätzen und entsprechend zu priorisieren. Der erste Schritt ist der immer der Wichtigste. Die Zeit des Abwartens ist aber definitiv vorbei und Stillstand kann sich kein Verantwortlicher mehr erlauben. Wer weiter zögert, dem ziehen die Wettbewerber unaufhaltsam davon.

Als grobe Faustformel für Unternehmen gilt: Die Digitalisierung zahlt in der Regel auf zwei Bereiche ein – die Automatisierung von zuvor teilweise oder vollständig manuellen Abläufen und die Effizienzsteigerung zur Kostensenkung. Diese Potentiale muss man heben und das eigene Unternehmen so fit für eine erfolgreiche digitale Zukunft zu machen.

Die digitale Transformation hingegen ermöglicht völlig neue, datengetriebene und skalierbare Geschäftsmodelle. Hierbei übergibt man hochentwickelten Algorithmen wichtige Entscheidungen im wirtschaftlichen Handeln des Unternehmens.

Innovationsfähigkeit ist der Schlüssel

Zusätzlich schaffen die neuen digitalen Möglichkeiten ein Umfeld, in dem immer mehr Innovation in immer kürzeren Zeiträumen gefordert wird. Hierfür müssen auch etablierte und bewährte Prozesse dahingehend überprüft werden, ob sie im veränderten Marktumfeld noch Bestand haben.

Wer dies berücksichtigt, übersteht nicht nur die Digitalisierung und die digitale Transformation erfolgreich, sondern geht gestärkt in die Zukunft.

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Mathias Herrmann

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